Der Mensch - geboren um getragen zu werden!

Nesthocker oder Nestflüchter?

Unsere Menschenkinder wurden bislang immer als eine Mischung aus Nesthocker und Nestflüchter angesehen. 

Doch in den 70er Jahren definierte der namhafte Biologe B. Hassenstein einen weiteren Jungentypus unter den Säugetieren - den Tragling.

 

Neben Säugetieren wie beispielsweise den Affen, Koalas oder Kängurus weist auch das Menschenbaby alle Merkmale eines Jungen auf, welches durch ein Elternteil getragen wird. 

 

Unterschieden wird bei den Traglingen zwischen aktiven und passiven Traglingen. Solche, die im Stande sind, sich selbst am Elternteil festzuhalten und solche, die in einem Beutel transportiert werden.

 

Das menschliche Baby besitzt von Geburt an die Reflexe eines aktiven Traglings: den sogenannten Moro- oder auch Greifreflex. Es möchte sich mit den Händen im Fell der Mutter festhalten, welches dem Menschen nur im Laufe der Jahre abhanden gekommen ist. Weiterhin nehmen Babys instinktiv eine sogenannte Anhock-Spreiz-Haltung ein, weswegen es sich ideal um den menschlichen Körper schmiegt.

 

Auch die anatomischen Gegebenheiten des Babys stellen die perfekten Voraussetzungen dar um getragen zu werden. Die Fußsohlen zeigen nach innen, die Beine sind leicht o-förmig und der Rücken ist noch gerundet.

 

Menschenbabys sind Traglinge; Sie sind dazu geschaffen am und auf dem Körper des es nährenden und versorgenden Elternteils zu leben! Nur fehlt dem Menschen heutzutage das Fell zum Festhalten, daher benötigen wir ein Tuch oder eine Tragehilfe um das Baby am elterlichen Körper zu sichern.

Bindung kommt von binden...

Die Grundvoraussetzung für die gesunde Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen ist die Sättigung des Grundbedürfnisses nach Bindung, Nähe und Geborgenheit.

 

Das Tragen kann entschieden in den ersten Jahren dazu beitragen, diese Grundbedürfnisse zu stillen.


Sinnlich!

Beim Tragen werden ganz nebenbei alle Sinne des Babys angesprochen - ohne, dass der Tragende aktiv etwas dazu beitragen muss. So entwickeln sich alle Sinne des Babys auf ganz natürliche Weise, während die Mutter ihren ganz alltäglichen Dingen nachkommen kann.


Wird es nicht "verwöhnt"?

Nein. Heute weiß man, dass intensive emotionale und körperliche Zuwendung bedeutende positive Effekte in der kindlichen Entwicklung zeigen.

 

Diverse Studien belegten unter anderem positive Auswirkungen intensiver körperlicher Nähe und emotionaler Zuwendung auf stoffwechselphysiologische Abläufe, den Abbau von Stresshormonen, die Gewichtszunahme, Schlafverhalten, späteres Selbstwertgefühl, die allgemeine Selbstregulation und vieles weitere.