Macht dich Tragen zum Öko?

Eine schwangere Mami war bei mir zu einem Infogespräch und erzählte mir, dass sie von ihrem Umfeld gefragt worden sei, ob sie "denn dann ihrem Kind auch nur Holzspielzeug geben würde, wenn sie ihr Baby tragen will". 
Diese und ähnliche "Vorurteile" höre ich immer wieder, wenn es um das Thema Tragen geht. Man sei öko oder alternativ, so etwas machen nur die Hippies und man könne dann ja auch gleich Veganer werden.... Aber im Ernst: Ist dem so? Hat man als tragender Elternteil bzw. als tragende Eltern automatisch eine andere Lebenseinstellung? Stimmt das Vorurteil? Ist man automatisch öko, "AP" (Attachment Parenting = bedürfnisorientierte Erziehung), langzeitstillend, bio oder sonstwie "alternativ"?
Nein, ich schätze so einfach ist es nicht. Aber aus meinen bisherigen Beratungserfahrungen (welche zugegebenermaßen noch nicht wahnsinnig riesig sind, ich bin ja erst ein paar Monate dabei...) kann ich sagen, dass es durchaus so ist, dass viele Eltern, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen eben oft eine Grundtendenz haben ihren Blick auch an anderer Stelle zu öffnen, Dinge zu hinterfragen, bewusster zu leben und sich gesünder ernähren zu wollen. Ihre Kinder bedürfnisorientiert zu "erziehen" z. B., denn darum geht es beim Tragen ja auch: dem Bedürfnis des Babys nach Körpernähe, Liebe, Geborgenheit, Sicherheit nachzukommen.
Aber auch hier stellt sich die Frage, was zuerst da war, Huhn oder Ei? Sind die Menschen grundsätzlich schon einmal "anders" in ihrem Denken oder machen sie die Trageerfahrung und dann ergibt sich der Rest irgendwie? 
Bei mir war es tatsächlich so, dass ich mich bereits vor unserer Tragezeit für viele - sagen wir mal - alternative Dinge interessiert habe. Doch mit Baby ändert sich generell noch einmal die gesamte Lebenseinstellung. Und ich denke da ist es naheliegend, dass man einfach mit der Erfahrung, "dass es auch anders" geht, feststellt, dass viele andere Dinge im Leben auch anders gehen. Gesünder. Nachhaltiger. Liebevoller. Gemeinsamer. Und da ist er - der Zusammenhang zwischen dem Tragen und der veränderten Lebenseinstellung. Nicht immer, aber immer öfter...
 
Und ja, ich bzw. mein Mann, mein Sohn und ich sind irgendwie anders. Wir sind "AP", wir sind "bio" und "homöopathisch", bedürfnisorientiert, langzeitstillend, Barfußschuhler, Trageberaterin und Gewerkschafter. Aber das ist kein Dogma. Auch wir haben übrigens Plastikspielzeug. Wenig, aber Kind sucht sich seine Sachen eben oft auch einfach selbst aus. 
Es fragt ja auch keiner ob ich, wenn ich mein Baby im Kinderwagen schiebe, nur Plastikspielzeug kaufen oder künftig nur noch Wegwerfwindeln benutzen möchte. Tun wir übrigens auch. Wegwerfwindeln benutzen. Stoffwindeln waren irgendwie nix für uns. Und? Ist doch wurscht. Kann man eben nicht über einen Kamm scheren.
Ist also garnicht so einfach zu beantworten diese Frage, obwohl ich schon einen Zusammenhang meine zu erkennen. Nichts desto trotz sollte man sich von solchen Vorurteilen nicht leiten lassen. Denn mal ganz davon ab, dass Tragen ja bedürfnisorientiert ist, ist es halt auch einfach mal mega praktisch. Punkt.
Wie ist das bei euch? Hat euch die Trageerfahrung auch in anderen Lebensbereichen verändert? Seid ihr "öko" und kauft nur noch Holzspielzeug? Kennt ihr diese Vorurteile? Macht euch das was aus?

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Kommentare: 3
  • #1

    Dovie Hansel (Montag, 06 Februar 2017 11:34)


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  • #2

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  • #3

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    Hi, hast du gut beschrieben das Ding mit den Vorurteilen ;-) ich trage und bin auch sonst eher öko, bio, Stoffwindel-Wicklerin... Vorurteile dahingehend machen mir nichts, denn ich mache all das ja gerne und aus Überzeugung. Vorurteile erwachsen ja aus Stereotypien, die wir brauchen, um die komplexe Welt zu verstehen. Trotzdem passt nicht jeder in irgendeine Schublade. Wenn andere mich aber gern in eine stecken wollen, sollen sie es mal probieren :-)